Mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie und den darauffolgenden Kurseinbrüchen an den Kapitalmärkten ist die Thematik der Teilwertberichtigung von Kapitalanlagen im Jahr 2020 von erheblicher praktischer Relevanz. Hierzu zählen auch Investmentfonds, deren Bewertung allerdings komplex ist. Im Folgenden werden deshalb die Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze für Investmentanteile zusammenfassend dargestellt.

Grundsätzlich ist bei der Bilanzierung von Investmentfonds das Investmentsteuergesetz (InvStG) anzuwenden. Investmentanteile sind handels- und steuerrechtlich als Vermögensgegenstand, bzw. Wirtschaftsgut zu betrachten. Eine Anwendung des sog. „Look-through-approach“ und damit einer Bilanzierung der einzelnen Wirtschaftsgüter, die in einem Investmentfonds enthalten sind, ist vor diesem Hintergrund ausgeschlossen.

Im Zuge des Erwerbs werden Investmentanteile gem. § 255 Abs. 1 HGB in der Bilanz mit ihren Anschaffungskosten angesetzt. Diese bestehen aus dem Ausgabe-, bzw. Börsenpreis, den Nebenkosten, darunter der Ausgabeaufschlag (§ 71 Abs. 2 KAGB), sowie den nachträglichen Anschaffungskosten.

Liegt zu einem folgenden Bilanzstichtag eine dauerhafte Wertminderung eines Investmentanteils vor, kann der Steuerpflichtige von seinem steuerlichen Wahlrecht Gebrauch machen und statt der Anschaffungskosten ein niedrigerer Teilwert in der Steuerbilanz ansetzen (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 S. 2 EstG).

Der Teilwert von Investmentanteilen entspricht nach Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) dem Rücknahmepreis, d.h. dem Nettoinventarwert abzüglich eines in den Anlagebedingungen festgesetzten Abschlags (§ 71 Abs. 3 KAGB), wenn diese für den Betrieb entbehrlich sind. Alternativ lässt sich der Teilwert durch den Ausgabepreis, d.h. dem Nettoinventarwert zuzüglich des in den Anlagebedingungen festgelegten Ausgabeaufschlages (§ 71 Abs. 2 KAGB). Für den Fall, dass die Ausgabe und Rücknahme von Investmentanteilen durch die Fondsgesellschaft ausgeschlossen sind, ist dem BFH zufolge der aktuelle Börsenwert als Teilwert anzusetzen. 

Bei der Beurteilung, ob die Wertminderung eines Investmentanteils voraussichtlich dauerhaft ist, findet das investmentsteuerrechtliche Transparenzprinzip keine Anwendung, da es vom Gesetzgeber für die Bewertung von Investmentanteilen nicht angeordnet wurde. Eine voraussichtlich dauerhafte Wertminderung lässt sich grundsätzlich anhand einfacher Kriterien, wie beispielsweise der fehlenden Aussicht auf künftige Vermögenszuwächse als Folge erheblicher realisierter Verluste des Fonds, bestimmen. Trotzdem müssen fondsspezifische Besonderheiten beachtet werden:

  • Aktienfonds:

Ist ein Aktienfonds zu mehr als 50 % in börsengehandelte Aktien investiert, kann vor dem Hintergrund einer dauerhaften Wertminderung eine Teilwertberichtigung der Investmentanteile vorgenommen werden, wenn sich zum Bilanzstichtag ein Kursverlust von mehr als 5 % auf die Anschaffungskosten eingestellt hat.

  • Rentenfonds:

Bei der Bewertung von Rentenfonds dahingegen existiert keine 5 %-Bagatellgrenze. Die Prüfung der Dauerhaftigkeit einer Wertminderung von Rentenfonds ist vielmehr sehr aufwändig, weil neben dem Börsenkurs und den Anschaffungskosten noch der am Ende der Laufzeit fällige Nennwert sowie die Bonität des Schuldners zu berücksichtigen sind.

  • Immobilienfonds:

Bei Immobilienfonds liegt nach Auffassung des BFH eine dauerhafte Wertminderung vor, wenn der Kursverlust die Bagatellgrenze von 5 % der Anschaffungskosten überschreitet.

  • Mischfonds:

Obwohl Mischfonds individuell beurteilt werden müssen, findet die 5 %-Bagatellgrenze bei der Prüfung auf dauernde Wertminderungen Anwendung.

Steuerliche Ausgleichsposten, die im Zusammenhang mit ausschüttungsgleichen Erträgen, Vorabpauschalen oder Absetzungsbeträgen von Investmentanteilen gebildet wurden, beeinflussen nicht den steuerlichen Buchwert jener Anteile und sind demzufolge im Rahmen einer Teilwertberichtigung nicht zu berücksichtigen. Substanzbeträge mindern dagegen die Bemessungsgrundlage für eine mögliche Teilwertberichtigung.

Ein Abschreibungsaufwand, der durch zulässige Teilwertberichtigungen auf Investmentanteile entsteht, wirkt sich nicht auf das Einkommen aus, soweit eine Teilfreistellung anwendbar ist. Diese richtet sich nach der Fondskategorie und ggf. nach der Anlegergruppe. Im Zusammenhang der Bilanzierung von Spezial-Investmentanteilen besteht bei negativen Anleger-Gewinnen eine Nichtabzugsfähigkeit des Abschreibungsaufwands. Bei positiven Anlegergewinnen muss dagegen eine außerbilanzielle Kürzung von Wertaufholungserträgen vorgenommen werden.

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