Die Wirtschaftsprüfung von morgen

Revolution in der Abschlussprüfung und Krisengewinnler – Zwischen Tradition und Innovation erfindet sich die Wirtschaftsprüfung gerade neu. Die Schlagzeilen großer Tageszeitungen und Magazine sind voll von Visionen, Vermutungen und Prognosen für die Zukunft des Berufsstandes. Daher ist eine Frage besonders interessant: Ist die Wirtschaftsprüfung von heute auch die von morgen? Mehr erfahren Sie in diesem Modul.

KAPITEL 1:
WIRTSCHAFTSPRÜFUNG ALLGEMEIN

KAPITEL 2:
DIGITALE TANSFORMATION

KAPITEL 3:
WIRTSCHAFTSPRÜFUNG – HEUTE UND MORGEN?

Kapitel 1

Wirtschaftsprüfung allgemein

„Der Beruf des Wirtschaftsprüfers ist etwas Besonderes.“ – So beschreibt Gerhard Ziegler, Präsident der WPK, den Berufsstand. Gerade die Vielfalt der unterschiedlichen Tätigkeiten macht die Wirtschaftsprüfung zu einem interessanten und besonderen Berufsfeld. Prüferinnen und Prüfer werden durch ihre Tätigkeit zu Vertrauenspersonen, die Sicherheit ausstrahlen. Gleichzeitig macht sie der einzigartige Einblick hinter die Kulissen der Wirtschaft zu fachlich exzellenten Beraterinnen und Beratern. Mehr zur Wirtschaftsprüfung sehen Sie im Video.

Das 1×1 der Wirtschaftsprüfung

Die Wirtschaftsprüfung hat eine eigene Sprache – vor allem mit einem ganz eigenen Wortschatz. Acht wichtige Begriffe lernen Sie auf der nächsten Seite kennen.

Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) ist die Fachorganisation aller Wirtschaftsprüferinnen und -prüfer sowie Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland. Es repräsentiert die Interessen des Berufsstandes und ist wegweisend für berufsständische Standards und fachliche Kompetenzen. Ferner beschäftigt es sich mit der Nachwuchsförderung in der Wirtschaftsprüfung.
Gesetzliche Prüfungen sind sogenannte Pflichtprüfungen, die in bestimmten Zeitabständen verbindlich von einer Abschlussprüferin bzw. einem Abschlussprüfer durchzuführen sind. Die Prüfungspflicht ergibt sich aus dem Gesetz – genauer aus § 316 HGB (Handelsgesetzbuch) sowie § 6 PublG (Publizitätsgesetz).
Eine Prüfungspflicht besteht nur für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften, Unternehmen bestimmter Branchen (z. B. der Finanz- und Versicherungsbranche) und anderen Personen- und Kapitalgesellschaften. Eine Freiwillige Prüfung macht jedoch auch für andere Unternehmen Sinn – z. B. zur Kontrolle der Vollständigkeit und Richtigkeit des eigenen Jahresabschlusses oder der Entlastung der Geschäftsführung.
Die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts die berufsständische Vertretung für alle bestellten und anerkannten Wirtschaftsprüferinnen und -prüfer, vereidigten Buchprüferinnen und -prüfer sowie Vorstandsmitglieder bzw. Geschäftsführer von Wirtschafts- und Buchprüfungsgesellschaften. Sie führt ferner das Berufs- und Abschlussprüferregister.
Die Prüfung von Kapital- und Personengesellschaften erfordert hohe fachliche und persönliche Kompetenzen. Aus diesem Grund sind nur bestimmte Institutionen befugt, Prüfungen vorzunehmen. Diese nennt man auch Prüfungsorgane. Darunter fallen Wirtschaftsprüferinnen und -prüfer sowie Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, vereidigte Buchprüferinnen und -prüfer und sonstige Prüfstellen, z. B. von Genossenschaften oder öffentlichen Körperschaften.
Der Bestätigungsvermerk ist das Gesamturteil der Wirtschaftsprüferinnen und -prüfer. Seine Erteilung verifiziert, dass der Jahresabschluss sowie die Buchführung den gesetzlichen Vorschriften entsprechen. Zudem bestätigt er, dass der Lagebericht keine falschen Vorstellungen von der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens vermittelt.
Die Jahresabschlussprüfung findet (freiwillig oder als Pflichtprüfung) während eines Geschäftsjahres statt. Sie besteht aus der Prüfung des Jahresabschlusses, d. h. der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens. Bei Kapitalgesellschaften werden zusätzlich der Anhang und der Lagebericht geprüft. Ziel der Prüfung ist eine Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens und der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften im letzten Geschäftsjahr.
Die Ergebnisse der Jahresabschlussprüfung werden im sogenannten Prüfungsbericht dokumentiert. Er schildert schriftlich die Art, den Umfang sowie das Ergebnis der Prüfung (vgl. § 321 Abs. 1 HGB). Im Gegensatz zum Bestätigungsvermerk ist er vertraulich und darf nur von der Geschäftsführung, dem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern des Unternehmens eingesehen werden.

Ein Blick zurück

Wenngleich der Begriff „Wirtschaftsprüfung“ erst relativ spät genutzt wurde, arbeiteten bereits vor mehr als 3000 Jahren Menschen in der Prüfung. Erfahren Sie auf der nächsten Seite mehr.

Bereits ca. 1000 vor Christus wurden Prüfungshäkchen auf Steintäfelchen in Babylon verwendet. Forscher vermuten, dass es sich hierbei um eine einfache Prüfung des Inventars handelte, also ein Vergleich des Ist-Bestands mit den Soll-Werten. Erste Kontrollen wirtschaftlicher Prozesse fanden also bereits vor über 3000 Jahren statt.
1494 – Der Urvater der Wirtschaftsprüfung war der italienische Mathematiker Luca Pacioli mit seiner Abhandlung zur doppelten Buchführung. Traditionell wurden alle Geschäftsvorgänge chronologisch in einem Buch – dem Grundbuch – dokumentiert. Zusätzlich gibt es das sogenannte Hauptbuch. Hier werden die Vorgänge nicht chronologisch, sondern nach verschiedenen Konten geordnet dokumentiert – z. B. ein Konto für einen bestimmten Lieferanten oder Kunden. Völlig neu waren Paciolis Ausführungen nicht. Doch gelang es ihm, alle Elemente der damaligen Buchführung in einem kaufmännischen System zu bündeln.
1880er-Jahre – Im 19. Jahrhundert veränderte die Industrialisierung die Wirtschaft. Die schnell wachsenden Unternehmen und Fabriken waren mit der internen Buchhaltung und Buchprüfung überfordert. Aus der Problematik heraus organisierte sich die externe Prüfung – sogenannte „beeidete Bücherrevisoren“. Mit der Einführung der Gründungsprüfung 1884 und der Pflichtprüfung 1889 kam es zum ersten Mal zu einer gesetzlichen Prüfungsverpflichtung.
1920 – Nach dem Ersten Weltkrieg, der Gründung der Weimarer Republik und diversen Wirtschaftskrisen erstarkte die Weltwirtschaft Mitte der 1920er-Jahre. Unternehmen wuchsen zunehmend und waren national sowie international verflochten. Die externe Prüfung wurde deshalb immer wichtiger. 1920 gründete sich auch die „Deutsche Waren-Treuhand-Aktiengesellschaft“ mit Sitz in Hamburg aus einer Reihe von Privatbanken und Handelshäusern – heute ist sie als „BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft“ bekannt.
1931 – Im Zuge der Wirtschaftskrise 1929 machte die Verordnung des Reichspräsidenten 1931 eine jährliche Abschlussprüfung für Aktiengesellschaften und Unternehmen zur Pflicht. Das Besondere an der Verordnung: Die Prüfungen durften ausschließlich von qualifiziertem und unabhängigem Personal durchgeführt werden. Die Verordnung begründete das Berufsrecht der Wirtschaftsprüferinnen und -prüfer und die moderne deutsche Wirtschaftsprüfung.
1932 – Das 1930 in Berlin gegründete „Institut für das Revisions- und Treuhandwesen“ wurde 1932 in das „Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW)“ umbenannt. Infolgedessen gewann das Institut aufgrund seiner Gutachten und Stellungnahmen an Bedeutung für die Ausgestaltung und das Selbstverständnis der Wirtschaftsprüfung.
1950er-Jahre – Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Berufsrecht der Wirtschaftsprüfung durch die Besatzungszonen außer Kraft gesetzt. Zwar gab es in dieser Zeit durch das „Wirtschaftswunder“ wirtschaftlichen Aufschwung – Die Wirtschaftsprüfung konnte jedoch keine Einheitlichkeit bei Fragen der Berufsqualifikation und der Berufsaufsicht erreichen.
1961 – Am 01. November 1961 trat nach einem Jahrzehnt intensiver Bemühungen des Berufsstandes das „Gesetz zur Wirtschaftsprüferordnung (WPO)“ in Kraft. Fachaufsicht wurde keine staatliche Behörde, sondern – im Sinne der Selbstverwaltung – die „Wirtschaftsprüferkammer (WPK)“.

Services bei BDO

Audit

Die gesetzliche und freiwillige Abschlussprüfung und die Erteilung von Bestätigungsvermerken sind die Grundpfeiler der Wirtschaftsprüfung. Die gesetzliche Abschlussprüfung darf als sogenannte „Vorbehaltsaufgabe“ ausschließlich von anerkannten Wirtschaftsprüferinnen und -prüfern bzw. vereidigten Buchprüferinnen und Buchprüfern durchgeführt werden.

Assurance

Mit Assurance-Leistungen sind all die Prüfungen gemeint, die außerhalb der Abschlussprüfung durchgeführt werden. Diese Prüfungen werden häufig als freiwillige Leistung in Anspruch genommen. Das gibt Unternehmen die Möglichkeit, eine unparteiliche Beurteilung der eigenen Situation einzuholen – beispielsweise Risikomanagement oder IT-Audit.

Tax & Legal

Ein weiterer Kernbereich von Wirtschaftsprüferinnen und -prüfern ist die Steuerberatung. Die Expertise und Kompetenzen der Prüferinnen und Prüfer in der Steuergesetzgebung machen sie zu exzellenten Partnern bei unternehmerischen Entscheidungen. Ferner gehört auch die Erstellung von erforderlichen Steuererklärungen zum Aufgabengebiet der Wirtschaftsprüfung.

Advisory Services

Die breit gefächerten Kompetenzen und die umfassende Ausbildung von Wirtschaftsprüferinnen und -prüfern machen sie zu idealen Partnern bei der Beratung in strategischen und operativen Fragen. Dazu zählen z. B. die Unternehmensbewertung, Prozessberatung, Transaktionsberatung, Restrukturierungsberatung sowie IT-Beratung.

Mehr als nur Zahlen

Finanzielle Berichte gehören zum Kerngeschäft der Wirtschaftsprüfung. Daneben wird aber vor allem ein Begriff immer wichtiger: Nichtfinanzielle Berichterstattung und Corporate Social Responsibility (CSR).

Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung und faire Arbeitsbedingungen – Was selbstverständlich klingt, ist nicht überall gesetzlich vorgeschrieben. CSR umfasst die Verantwortung und das vorbildliche ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Handeln von Unternehmen. Seit 2014 besteht sogar eine Verpflichtung für große Unternehmen, Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen mit mehr als 500 Personen, eine nichtfinanzielle Erklärung zu veröffentlichen. Inhalte solcher Erklärungen sind z. B. Umwelt- und Arbeitnehmerbelange oder die Bekämpfung von Korruption und Bestechung.

Weitere Informationen zu CSR finden Sie auf der offiziellen Webseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Zur nichtfinanziellen Berichterstattung hören Sie auch mehr im Podcast des IDW.

Gute Gründe für Wirtschaftsprüfung

Gute Gründe für Wirtschaftsprüfung

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Der Prüfungskodex

Die Werte und Einstellungen von Prüferinnen und Prüfern gehen aus einer Reihe gesetzlicher Pflichten hervor. Diese Regularien sind häufig Anlass für Klischees und Vorurteile. Dabei sichern die Gesetze die Neutralität und Unabhängigkeit des Berufsstandes – Und damit auch das öffentliche Vertrauen, das den Prüferinnen und Prüfern entgegen gebracht wird. Im Folgenden lesen Sie mehr zu den Werten und Pflichten von Prüferinnen und Prüfern.

Zur Präsentation

Nichts als Erbsenzähler?

„Sprach der Wirtschaftsprüfer: Von draußen scheint die Sonne rein, ich mach‘ ein Häkchen, es wird schon richtig sein.“
 unbekannt

Lehrerinnen und Lehrer wissen alles besser und IT-Spezialistinnen und -Spezialisten sind alle Hacker – Jeder Beruf ist Klischees und Vorurteilen ausgesetzt. Auch die Wirtschaftsprüfung bleibt davon nicht verschont. Es ist Zeit, mit den gängigsten Klischees aufzuräumen.

KAPITEL 1:
WIRTSCHAFTSPRÜFUNG ALLGEMEIN

KAPITEL 2:
DIGITALE TANSFORMATION

KAPITEL 3:
WIRTSCHAFTSPRÜFUNG – HEUTE UND MORGEN?