KAPITEL 1:
WIRTSCHAFTSPRÜFUNG ALLGEMEIN

KAPITEL 2:
DIGITALE TANSFORMATION

KAPITEL 3:
WIRTSCHAFTSPRÜFUNG – HEUTE UND MORGEN?

Kapitel 3

Wirtschaftsprüfung – Heute und morgen?

„Wie wahrscheinlich ist es, dass ich in Zukunft durch einen Computer ersetzt werde?“

Diese Frage stellen sich viele Menschen. Eine erste Antwort darauf gibt ein Tool der Süddeutschen Zeitung. In der Anwendung geben die Nutzerinnen und Nutzer ihre Berufsbezeichnung in ein Eingabefeld ein. Anschließend erhalten sie eine Prozentangabe, wie wahrscheinlich es ist, dass ihr Beruf in Zukunft von Computern ersetzt wird. Basis des Tools sind mehrere Studien, u. a. der Oxford University sowie der London School of Economics.

Das Ergebnis für „Buchhalter, Wirtschaftsprüfer“ sehen Sie in der Abbildung. Doch wie kommt der Wert zustande? Auf den nächsten Seiten erhalten Sie einen Einblick, welche Technologien die Wirtschaftsprüfung jetzt und in Zukunft verändern.

Big Data

„Big Data“ ist ein Schlüsselbegriff der Digitalisierung der Wirtschaftsprüfung. Er bezeichnet riesige unstrukturierte Datenmengen, die ohne die Hilfe von Computern nicht bearbeitet werden können. Auch die Wirtschaftsprüfung hantiert mit einer solchen Menge an Daten – z. B. in der Jahresabschlussprüfung oder der Unternehmensberatung. Mehr zum Begriff „Big Data“ und was er für die Wirtschaftsprüfung bedeutet, sehen Sie im interaktiven Video.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch im Interview mit Andrea Bruckner.

Process Mining

Szenario: Process Mining

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Was ist der Grund für das Problem im obigen Szenario? Eine Antwort gibt „Process Mining“: Damit gemeint ist eine Technik, die alle Daten erhebt, die während Arbeitsprozessen anfallen. Am Beispiel des Supermarktes: Mithilfe von Process Mining erheben Fachkräfte nicht nur, wie viele Produkte aktuell zur Verfügung stehen, sondern auch: Wer nutzt wann und wie oft die Bestell-Software? Dabei wird für das genannte Beispiel z. B. deutlich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Software nur sehr selten und unsystematisch nutzen. Deshalb bemerken sie nicht, wann die Produkte ausgehen. Ein neuer Ablauf im Arbeitsalltag der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schafft Abhilfe: Alle drei Stunden überprüfen sie die Software und bestellen die Produkte nach.

In der Wirtschaftsprüfung wird Process Mining vor allem genutzt, um Arbeitsprozesse bei Mandanten zu prüfen: Sind die Geschäftsprozesse effizient? Oder können Teile der Prozesse verbessert werden? Die Entscheidungsgrundlage ist eine umfassende Analyse mithilfe von Process Mining.

Künstliche Intelligenz

„Unsere Intelligenz macht uns menschlich und KI ist eine Ergänzung dessen“ – Yann LeCun, Chief Artificial Scientist bei Facebook AI Research. Künstliche Intelligenz (KI) ist eine der aktuell interessantesten Technologien – Nicht nur für die Wirtschaftsprüfung. Tauchen Sie in die interaktive Grafik ein und erfahren Sie mehr über KI und ihre Potentiale für die Wirtschaftsprüfung.

Zur Präsentation

Blockchain

Seit etwa zwei Jahren ist die „Blockchain“ (dt.: Kette aus Blöcken) in aller Munde. Viele Branchen interessieren sich allmählich für die Technologie und loten erste Anwendungsmöglichkeiten aus. Nur wenige wissen allerdings, was sich hinter einer Blockchain tatsächlich verbirgt. Erfahren Sie mehr im Video.

Im Video wurde es bereits angedeutet: Die Blockchain wird automatisch von jedem Computer im Netzwerk geprüft. Ein Beispiel aus der Wirtschaftsprüfung: Die Geschäftsvorgänge eines Unternehmens werden alle in der Blockchain gespeichert. Jede Transkation wird vom Blockchain-Netzwerk geprüft und verifiziert. Das Resultat: Die Transaktionen müssten nicht mehr von Wirtschaftsprüferinnen und -prüfern kontrolliert werden.
Das besondere an der Blockchain: Alle Transaktion werden in Echtzeit gespeichert. Das bedeutet: Kaum wird eine Transaktion durchgeführt, ist sie auch schon in der Blockchain gespeichert. Für Wirtschaftsprüferinnen und -prüfer wird so eine Prüfung in Echtzeit (Real Time Auditing) möglich. In Zukunft könnte Blockchain einen Abschluss „auf Knopfdruck“ ermöglichen. Unternehmen können auf diese Weise zu jeder Zeit geprüft werden – nicht nur am Ende des Geschäftsjahres.
Solange es nicht die eine Blockchain für die Finanzwelt gibt, existieren viele einzelne Blockchain-Netzwerke. Das bedeutet: Wirtschaftsprüferinnen und -prüfer werden gebraucht, um diese Netzwerke zu beurteilen: Wie geeignet sind sie? Gibt es Risiken und Gefahren? Eignen sich die Mechanismen für den Anwendungsbereich? Oder müssen Änderungen an der Programmierung vorgenommen werden? Fest steht: Der Prüfungsgegenstand verändert sich. Beispielsweise werden nicht mehr Transaktionen und ihre Richtigkeit kontrolliert, sondern auch die Technologie dahinter – die Blockchain selbst.

Die „neuen“ Prüferinnen und Prüfer

Fakt ist: Den klassischen „alten“ Wirtschaftsprüfer gibt es nicht mehr. Unternehmen wechseln immer mehr in die digitale Welt, entwickeln digitale Geschäftsprozesse und werden vor digitale Hürden, z. B. Datensicherheit, gestellt. Deshalb wird neben betriebswirtschaftlichen Kompetenzen von Prüfungsteams auch zunehmend technisches, d. h. digitales Know-How erwartet. Doch welchen Platz haben in dieser Welt noch klassische Prüferinnen und Prüfer?

Die Antwort: Einen ähnlichen Platz wie bereits zuvor. Auch digitale Technologien wie eine Blockchain müssen von Fachpersonal auf ihre Korrektheit geprüft werden. Auch Big Data-Analysen brauchen Expertinnen und Experten mit Fachverständnis und entsprechenden Bewältigungsstrategien. Auch digitale Beratung braucht Prüfungs- und Gesetzeskenntnisse. Die „alten“ Werte, Pflichten und Kompetenzen von Prüferinnen und Prüfern bleiben die gleichen – wenn auch in einer (noch) neuen, digitalen Welt.

Nachwuchsförderung

Bis zur Zulassung zur Wirtschaftsprüferin bzw. zum Wirtschaftsprüfer vergehen einige Jahre. Dazwischen liegen Studium und Ausbildung. Am Ende steht das Examen. In der bundesweit einheitlichen Prüfung beweisen angehende Wirtschaftsprüferinnen und -prüfer, ob sie die notwendigen fachlichen und persönlichen Kompetenzen erworben haben. Früher eine mehrstündige Blockprüfung, wurde das Examen schrittweise überarbeitet – Seit 2019 wird ein modularisiertes Examen angeboten.

Mehr dazu erfahren Sie im Video oder auf der Webseite der Wirtschaftsprüferkammer.

Die Zukunft der Wirtschaftsprüfung

Blockchain, Audit Clouds und Künstliche Intelligenz – Wirtschaftsprüfung verändert sich. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Mandantinnen und Mandanten müssen sich auf neue Herausforderungen und Technologien einstellen. Viele der „alten“ Aufgaben werden automatisiert und nicht mehr von Menschen ausgeführt. Gleichzeitig entstehen aber auch „neue“ Aufgaben wie Social Media Audit oder Transformationsberatung. Was zwischen allen Veränderungen bleibt, sind Expertinnen und Experten mit enormen Marktwissen und einem einzigartigen Blick hinter die Kulissen der Wirtschaft.

Weitere Informationen erhalten Sie zusammengefasst im Interview mit Andrea Bruckner.

Lesen Sie in den anderen Modulen weiter.

Modul: BDO innovativ

Modul: VUCA & Agiles Projektmanagement

Modul: PANDEMIEN ALS GLOBALE HERAUSFORDERUNG