Kapitel 3

Auswirkungen und Gegenmaßnahmen

Im Pandemiefall sind die Einschränkungen für sämtliche Lebensbereiche weitreichend. Eine Pandemie-Krise hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale Auswirkungen – Reiseverbote, Kontaktreduzierungen oder auch Ausgangsbeschränkungen. Beispiele, wie sich Pandemien auf die Bevölkerung auswirken, finden Sie in diesen Beiträgen.

Maßnahmen für die Bevölkerung im Pandemiefall

Shutdown

Dieser englische Begriff bedeutet so viel wie Abschaltung. Arbeiten werden eingestellt, Unternehmen verhängen Betriebspausen, Produktionen werden heruntergefahren oder ganz eingestellt.

Lockdown

Darunter versteht man eine Ausgangssperre, wie sie z.B. in Frankreich, Spanien und Italien während der Corona-Pandemie verhängt wurde. Eine Ausgangssperre hat zur Folge, dass nur noch der Einkauf von Lebensmitteln, der Gang zur Apotheke oder der Besuch beim Arzt möglich sind. Selbst das Verlassen des Hauses für einen Spaziergang wird bei einem Lockdown untersagt oder stark eingeschränkt.

Social Distancing

Eine weitere Maßnahme, die darauf abzielt, größere Menschenansammlungen und direkte soziale Kontakte zu reduzieren oder gar zu vermeiden, ist das Social Distancing. Kultur- und Sportveranstaltungen werden abgesagt, der Schul- und Kindergartenbetrieb wird eingestellt. Auch das Einhalten von Abstand zählt zu den wichtigen Maßnahmen des Social Distancings, mit denen die Zahl der Infizierten deutlich reduziert werden kann.

Testing

Bei der Eindämmung von Pandemien kommt es auf das möglichst schnelle und effiziente Testen sowie Isolieren erkrankter Personen an. Durch ein umfassendes Testing werden Erkrankte frühzeitig identifiziert, denen dann Quarantäne verordnet wird.

Herdenimmunität

Herdenimmunität bedeutet, dass ein gewisser Bevölkerungsanteil eines Landes immun oder resistent gegen eine Krankheit ist. Sie wird dadurch erreicht, dass möglichst viele in der Gruppe durch Impfung oder frühere Erkrankung immun gegen diese Krankheit geworden sind. Auf diese Weise kann sich die Krankheit nicht weiter ausbreiten und auch Nicht-Geimpfte sind geschützt.

Tracking

Eine Smartphone-App mit Bluetooth-Tracking soll zukünftig bei der Eindämmung von Pandemien helfen. Wird ein Nutzer der App positiv auf eine Infektionskrankheit getestet, so kann dieser seine Infektion anonymisiert in der App eingeben. Alle Kontaktpersonen, die ebenfalls die App nutzen und dem Infizierten im kritischen Zeitraum begegnet sind, werden umgehend über ihr erhöhtes Infektionsrisiko informiert.

Auswirkungen von Pandemien auf Märkte und Unternehmen

Die Maßnahmen, die einerseits zum Schutz der Bürger dienen, können andererseits zum wirtschaftlichen Stillstand führen. Während einige Branchen immense Verluste melden, profitieren wiederum andere von einer Pandemie. Am Beispiel der aktuellen Corona-Pandemie wird deutlich: In jeder Krise gibt es „Gewinner“ und „Verlierer“.

Gastronomie

In der Gastronomie ist mit 99 Prozent fast jeder Betrieb in Deutschland von Kurzarbeit betroffen. Restaurants sind in der Regel die Ersten, die schließen müssen, und die Letzten, die wieder öffnen dürfen.

Drogeriemärkte

Der Bedarf an Desinfektionsmittel und Mundschutzmasken ist in Zeiten einer Pandemie besonders groß. In Drogerien stieg der Umsatz deutschlandweit Mitte März daher um etwa 50 Prozent. Anfang April waren es bereits fast 100 Prozent.

Reisebüros

Laut eines Aktionsbündnisses von Reisebüro-Inhabern sind 50 bis 70 Prozent aller Reisebüros in Deutschland aufgrund der aktuellen Corona-Krise von einer Insolvenz bedroht.

Online-Dienste und Software-Anbieter

Menschen sind zuhause in Quarantäne und verrichten ihre Arbeit im Homeoffice, ihre Aktivitäten verlagern sich ins Digitale. Das Unternehmen Microsoft berichtet, wöchentlich 37 Prozent mehr Nutzer der Software „Teams“ zu haben.

Staatliche Maßnahmen für Märkte und Unternehmen

Um die Verluste der betroffenen Branchen zu mindern, bedarf es besonderer Schutzmaßnahmen. Die EU hat Initiativen und Maßnahmen gegen die Pandemie verabschiedet und umgesetzt. Beispielsweise gibt es ein Soforthilfeprogramm der Europäischen Union, das die Gesundheitssysteme der Mitgliedsländer mit 3 Milliarden Euro unterstützt. Gestrandete EU-Bürger wurden aus dem Ausland mit Charterflügen zurückgebracht und EU-weit wurde eine Kurzarbeiterregelung eingeführt, um die von der Krise betroffenen Unternehmen finanziell zu entlasten und die Arbeitgeber zu unterstützen.

Bundesregierung

Die Bundesregierung verabschiedete unter dem Corona-Schutzschild wirtschaftliche Maßnahmen für unterschiedliche Anspruchsgruppen. Es handelt sich dabei um das größte Hilfspaket in der Geschichte der Bundesregierung.

Soforthilfen

Die sogenannten KMU (Kleine und Mittlere Unternehmen) erhalten Sofort-Zuschüsse für ihre Betriebskosten. Darunter fallen z.B. Miet -und Pachtaufwendungen. Insgesamt stehen dafür 50 Milliarden Euro bereit, die Landesregierungen sind die Ansprechpartner dafür. Außerdem sind steuerliche Hilfsmaßnahmen für Unternehmen, Selbständige und Freiberufler vorhanden: Steuererstattungen werden früher bereitgestellt, Steuervorauszahlungen gemindert, Steuerzahlungen gestundet und Vollstreckungsmaßnahmen ausgesetzt. Selbständige erhalten für die soziale Grundsicherung insgesamt 7,5 Milliarden Euro. Auch eine befristete Absenkung des Umsatzsteuersatzes von 19 Prozent auf 16 Prozent sowie von 7 Prozent auf 5 Prozent soll die Binnennachfrage in Deutschland temporär vom 01.07.2020 bis zum 31.12.2020 erhöhen.

KFW-Kreditprogramme

Je nach Größe und Alter können Unternehmen nach einer Bonitätsprüfung der Hausbanken verschiedene Kredite, teilweise in Milliardenhöhe, beantragen. Startups, KMU und Konzerne gehören zu dieser Zielgruppe. Der Bund übernimmt Garantien von bis zu 100 Prozent.

Wirtschaftsstabilisierungsfond

Dieser Fond bündelt 600 Milliarden Euro für Bürgschaften, Refinanzierungs- und Kapitalmaßnahmen. In diesem Rahmen ist eine direkte Staatsbeteiligung für Unternehmen möglich.

Kurzarbeit

Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt für Unternehmen Lohnkosten und Sozialabgaben. Arbeitnehmer erhalten Auszahlungen von mindestens 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts. Zusätzlich können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern einen steuerfreien Gehaltszuschuss von 1.500 Euro, neben dem Kurzarbeitergeld, auszahlen.