Die Auswirkungen der Corona-Krise führen nicht nur für Krankenhäuser der Akutversorgung zu spürbaren Liquiditätsengpässen. Durch die Verschiebung von elektiven Eingriffen, entfallen zugleich auch die Anschluss-Behandlungen in den Rehaeinrichtungen. Daneben müssen zahlreiche Patienten aufgrund der bestehenden Infektionsrisiken ihre laufende Behandlung vorzeitig abbrechen und nach Hause geschickt werden. Der damit einhergehende Rückgang der belegten Betten führt zu erheblichen finanziellen Konsequenzen, da die Vergütungsmodelle für Vorsorge- und Rehaeinrichtungen, aufgrund der eigentlich hohen Kalkulierbarkeit der Vor- und Nachsorge von geplanten medizinischen Eingriffen, nahezu auf einer Vollauslastung der Betten beruhen. Um die Vorhaltekosten der ungenutzten Bettenkapazitäten zu senken, muss bereits jetzt eine Vielzahl der Beschäftigten in Kurzarbeit geschickt werden. Viele der betroffenen Einrichtungen haben durch die anhaltenden Leerstände bereits jetzt ihre finanziellen Rücklagen aufgezehrt, so dass im schlimmsten Fall die Insolvenz droht.

„Existenzsichernde Maßnahmen des COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz decken die laufenden Kosten nur teilweise“

Zweifelhaft bleibt, ob die von der Bundesregierung im Zuge des COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz verabschiedeten existenzsichernden Maßnahmen ausreichen, um die Betriebs- und Versorgungsbereitschaft der Vorsorge- und Rehaeinrichtungen auch weiterhin sicherzustellen. Während Krankenhäuser der Akutversorgung 560 Euro pro Tag für jedes Bett erhalten, das sie durch die Verschiebung elektiver Eingriffe nicht belegen, bekommen Vorsorge- und Rehaeinrichtungen lediglich einen prozentualen Anteil der mit den Kostenträgern vereinbarten Vergütungssätze. Vorsorge- und Rehaeinrichtungen, die im Bereich der Rentenversicherung vorgesehen sind, erhalten immerhin monatliche Zuschüsse in Höhe von 75 Prozent der durchschnittlichen monatlichen Zahlungen innerhalb der letzten zwölf Monate, wogegen Vorsorge- und Rehaeinrichtungen im Bereich der medizinischen Rehabilitation der Krankenkassen lediglich eine tagesbezogene Pauschale in Höhe von 60 Prozent des mit den Krankenkassen vereinbarten durchschnittlichen Vergütungssatzes für jedes Bett erhalten, das durch die Corona-Krise nicht wie geplant belegt werden kann. Vorsorge- und Rehaeinrichtungen für Mütter, Väter und Kinder und auch Privatkrankenanstalten fallen bislang noch nicht unter den Rettungsschirm der Bundesregierung, obwohl auch sie von den Landesregierungen dazu angehalten werden, ihre stationären Kapazitäten für eine mögliche Behandlung von Corona-Patienten freizuhalten. Damit sind diese Einrichtungen der Corona-Krise weitgehend ausgesetzt.

„Nutzungsgrad der vorgehaltenen Reservekapazitäten aktuell nur schwer planbar“

Bei einem Fortschreiten der Infektionszahlen durch das Corona-Virus könnten und sollten Vorsorge- und Rehaeinrichtungen stationäre Reservekapazitäten vorhalten. Sollte es zu einem solchen Szenario kommen, besteht eventuell die Hoffnung auf eine weitere finanzielle Unterstützung durch Bund und Länder. In Abhängigkeit von der Entwicklung der Infektionszahlen bleibt jedoch abzuwarten, welche Einrichtungen überhaupt zur Entlastung der stationären Patientenversorgung in den Krankenhäusern der Akutversorgung von den Landesregierungen herangezogen werden.

Entscheidendes Kriterium für die Auswahl dürften wohl die technische Ausstattung sowie die fachliche Ausrichtung sein, wie das Beispiel Niedersachen zeigt. Hier wurden mit Inkrafttreten des COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetzes 22 der 78 Rehaeinrichtungen aufgrund der genannten Kriterien vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung angewiesen, ab sofort leichte stationäre Fälle aus den Krankenhäusern der Akutversorgung zu übernehmen, die nicht mit dem Corona-Virus infiziert sind.

„Weitere Finanzierungsquellen notwendig, um den operativen Betrieb sicherzustellen“

Die mit dem COVID-19-Krankenhausenlastungsgesetz einhergehenden Liquiditätshilfen werden für eine Vielzahl der Vorsorge- und Rehaeinrichtungen wohl nicht ausreichen, um den operativen Betrieb dauerhaft sicherstellen zu können. Um die durch die Corona-Krise entstehende Finanzierungslücke zu schließen, sind weitere Finanzierungsquellen wie Banken, Fördermittelbehörden, Gesellschafter, Investoren etc. notwendig. Voraussetzung hierfür ist eine valide Liquiditätsbedarfsplanung, in der unterschiedliche Szenarien mit all ihren Risiken und Wirkungsmechanismen durch die Corona-Krise zu bewerten sind.

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